Gegründet 1956, haben sich die Schachfreunde Heidesheim zu einem der erfolgreichsten Vereine in Rheinhessen und zu einem etablierten Verein in Rheinland-Pfalz entwickelt. Mit ca. 70 aktiven Mitgliedern nimmt der Verein am Erwachsenen-, Jugend- und Seniorenmannschaftsbetrieb teil. Von jung bis alt ist alles vertreten.

Im Verein:

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Johannes bei den Deutschen Einzelmeisterschaften der Erwachsenen!

Nachfolgend ein  ausführlicher Bericht von Johannes:

 

Vom 5. Bis 15. September fanden in der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken die Deutschen Einzelmeisterschaften der Erwachsenen im Schach statt. Durch Erfolge bei anderen Turnieren erhielt ich erstmals die Möglichkeit, an einem solch stark besetzten Turnier teilzunehmen.

Das Haus der Athleten bot beste Spielbedingungen. Alle Bretter wurden live auf eine große Leinwand sowie ins Internet übertragen.

Im Turnier startete ich gemäß meiner Wertungszahl auf dem 19. von 42 Plätzen. Somit war von Beginn an klar, dass ich hier sehr erfahrene und spielstarke Gegner bekommen würde, die es mir sehr schwer machen würden.

In der ersten Runde bekam ich es mit einem schwächeren Gegner zu tun. Dennoch darf man auf einer Deutschen Meisterschaft niemanden unterschätzen, da fast alle Teilnehmer die Qualifikation über die Landesmeisterschaft durchlaufen haben und somit entsprechende Wettkampfhärte besitzen. Trotzdem löste ich die Pflichtaufgabe in Runde 1 souverän.

Runde 2 bescherte mir schon einen sehr starken Gegner, der im Vorjahr bei der Jugendweltmeisterschaft sehr weit vorne gelandet war. Wir beide legten die Partie bewusst kampfbetont an. Mein Gegner kannte sich hier sehr gut aus, sodass ich zwischenzeitlich in leichten Nachteil geriet. Dennoch verteidigte ich mich hartnäckig und konnte nach einigen Ungenauigkeiten seinerseits selbst in leichten Vorteil geraten. Für einen Sieg war dieser jedoch nicht groß genug, sodass die Punkteteilung die logische Folge war.

Der Gegner der nächsten Runde sollte es wirklich in sich haben: Einer der allerstärksten 15-jährigen Spieler weltweit zeigte sich gegen mich exzellent vorbereitet. Obwohl ich ihn anfangs leicht mit einigen Zügen überraschte, fand er stets starke Erwiderungen und bald fand ich mich in einer deutlich schlechteren Stellung wieder. Doch ich verteidigte ich mich sehr zäh, sodass er einen klaren Gewinn ausließ. Nach etwa 4,5 Stunden landeten wir in einem Endspiel, das wirklich nur noch mein Gegner gewinnen konnte, welches mir aber noch ebenso gute Remischancen versprach. Da ich genau das gleiche Endspiel vor gut einem Jahr schon einmal auf dem Brett hatte, konnte ich mich noch gut an die Verteidigungsmechanismen erinnern. Sollte er in 50 Zügen keine Fortschritte erzielt haben, würde die Partie remis ausgehen. Kurz vor dem Ziel, als das Unentschieden bereits in greifbarer Nähe war, hatte ich einen furchtbaren Blackout. Von der Zeitnot unter Druck gesetzt, gab ich die Partie auf, obwohl auch alle Zuschauer gesehen hatten, dass ich gerade in einer Remisstellung aufgegeben hatte.

Natürlich hatte ich schon im Vorhinein damit gerechnet, dass ich die ein oder andere Partie in diesem hochkarätigen Turnier, an dem auch viele Vertreter aus der deutschen Nationalmannschaft teilnahmen, auch verlieren würde. Daher versuchte ich, diese sehr ärgerliche Niederlage schnell zu verdrängen und konzentrierte mich auf den weiteren Turnierverlauf.

In der nächsten Runde 4 spielte ich gegen einen etwas schwächeren Gegner. Ich legte die Partie bewusst solide an, um ihm keine Chancen auf aktives Gegenspiel zu lassen. Während ich mich noch lange in bekannten Stellungsbildern befand, konnte mein Gegner keine aktiven Pläne durchführen. Zusätzlich verbrauchte er hier sehr viel Zeit. Nach und nach verbesserte ich meine Position, weshalb er kurz darauf aufgeben musste.

Dann spielte ich in der 5. Runde gegen einen etwa gleichstarken Gegner. Mit den schwarzen Steinen versuchte ich von Beginn an, sicher zu spielen, ihn aber trotzdem unter Druck zu setzen. Mein Gegner war mit seiner Stellung offenbar nicht hundertprozentig zufrieden, deswegen wählte er einen riskanten Plan. Nach einigen sauberen Zügen hatte ich jedoch schon einen kleinen Vorteil. Leider ließ ich in der kommenden Partiephase ein wenig die nötige Präzision vermissen, sodass mein Gegner sich wieder zurückkämpfen konnte. Da die Stellung nun sehr ausgeglichen war, bot ich meinem Gegner das Unentschieden an. Trotzdem lehnte er zielsicher das Remis ab, da er sich mittlerweile die besseren Chancen versprach. Allerdings gab die Stellung für ihn nicht mehr als ein Remis her, sodass ich ihn immer weiter zurückdrängen konnte. Nach 5 Stunden Spielzeit erkannte er die Ausweglosigkeit seiner Lage und gab die Partie auf.

In der 6. Runde bekam ich nun den stärksten meiner Gegner in diesem Turnier. Er gilt als sehr vorsichtiger Spieler, der selten große Risiken eingeht. Ich legt die Partie also ebenfalls recht ruhig an. Im Laufe der Partie stellte er sich jedoch etwas passiv auf, sodass ich mit meinen Figuren extremen Raumvorteil erlangen konnte. In der Folge konnte ich einen starken Königsangriff starten. Doch hier zeigte sich die immense Erfahrung meines jungen Gegners: Auch er gehörte zu den Allerbesten in seinem Jahrgang in der Weltrangliste. In horrender Zeitnot fand er sehr exakte Verteidigungszüge. Ich meinerseits verpasste leider die Fortsetzung, mit der ich ihn dauerhaft hätte unter Druck setzen können. In unklarer Stellung entstand eine dreifache Stellungswiederholung, wodurch die Partie remis war.

Jetzt hatte ich eine kleine Pechsträhne im Turnier: Mein nächster Gegner, ebenfalls 16, aber wie die drei anderen jugendlichen Gegner auf der Weltrangliste weit vorne und außerdem in der 1. Schachbundesliga aktiv, führte Stellungsbilder herbei, in denen ich mich nicht perfekt auskannte und daher viel Zeit verbrauchte. Diese Zeit fehlte mir später, um die ausgeglichene Stellung, die ich mir mittlerweile erarbeitet hatte, zum fast sicheren Remis zu führen. Stattdessen stellte ich einen lebenswichtigen Bauern ein, sodass mein Gegner den Vorteil technisch sauber umsetzen konnte.

In der 8. Runde erwartete mich zwar ein etwas stärkerer Gegner, trotzdem rechnete ich mir hier von Beginn an gute Chancen aus. Mein Gegner zeigte schon durch seine Eröffnungswahl, dass er unbedingt gewinnen wollte. Auf dem Brett entstand ein regelrechtes Wettrennen: Wessen Plan würde schneller durchschlagen? Zwischenzeitlich sah es für mich auch recht gut aus, zumal mein Gegner einiges mehr an Zeit verbraucht hatte. Leider verpasste ich in der aufkommenden Zeitnot bei immer komplizierter werdender Stellung den richtigen Weg, sodass mein Gegner mich taktisch auskontern konnte, wonach ich aufgeben musste.

Zwei Niederlagen gegen Ende des Turnieres, das bedeutete natürlich einen herben Rückschlag. Trotzdem wollte ich in der letzten Runde mein bestes Schach zeigen.

In Runde 9 spielte ich gegen eine deutsche Nationalspielerin. Schon in der Vorbereitung auf die Partie entdeckte ich beim Durchsehen ihrer vorherigen Partien, dass sie verschiedene Systeme in ihrem Repertoire hat. Daher erwies sich eine detailgenaue Vorbereitung als schwierig. Trotzdem ging ich hochmotiviert in die Partie. Leider beging ich zu Beginn eine kleine Unachtsamkeit, die sie zunächst auch gnadenlos ausnutzte. Ihre optisch bessere Stellung konnte sie jedoch nicht weiter optimieren und beging stattdessen in der Zeitnot einige grobe positionelle Fehler. Leider gab die Position auch keinen wirklichen Vorteil für mich her. Bis ich dies einsah, machte ich wiederum einige Fehler, konnte das resultierende Endspiel jedoch noch sicher zum Unentschieden führen.

Nach 9 Runden hatte ich also 4,5 Punkte, also 50% der Punkte erreicht, was durchaus als Erfolg zu sehen ist, da die Gegner im Durchschnitt eine etwas höhere Elo-Wertungszahl hatten.

Der Vergleich mit so vielen wettkampferfahrenen Spielern hat mir große Freude bereitet, schließlich wurde hier jeder Punkt unheimlich hart ausgefochten. Aus diesen Partien und deren nachträglichen Analysen konnte ich viele Impulse mitnehmen, mit deren Hilfe ich meine schachlichen Fähigkeiten in naher Zukunft noch weiter verbessern möchte.

 

 

Alle Partien sowie Ergebnisse findet Ihr auf der Homepage des Ausrichters.

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